Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Seitenleiste

Vishnupedia.org

Hier findest du Wissen zur Theologie und dem Seelenverständnis des Hinduismus, bzw. Vishnuismus.

Hintergrund

Gott und seine Energien

Die verkörperte Seele


Impressum
Datenschutz
Spenden

Fehlermeldung / Mitmachen
Die Erfahrung zeigt, dass im Laufe der Zeit viele Homepages ihre Links verändern. Meistens passiert das im Verlauf einer Neugestaltung und Anpassung der Homepage. Daher nehme ich Hinweise auf fehlerhafte Verlinkungen immer gerne entgegen!

atman

Atman

Atman, Atma (Ātman, Ātmā), auch Jiva oder Jivatman (Jīva, Jīvātman) genannt, ist ein vieldeutiges Schlüsselwort. Im Kern unverändert bleibt jedoch immer die Bedeutung, dass der Atman einer vollkommen anderen Kategorie angehört, als all das, was aus der Gesamtheit aller sichtbaren und unsichtbaren, sich fortwährend wandelnden messbaren Natur (Maya-Shakti) stammt.
Wird oft mit Geist oder Seele übersetzt.

Was ist der Atman

Atman ist ein Lichtfunke aus dem Strahlenmeer, welches unaufhörlich vom spirituellen Körper Gottes ausgeht. Die Gesamtheit dieses Strahlenmeers, das die unendliche spirituelle Sphäre ausfüllt, nennt man Brahmajyoti. Jeder dieser winzigen Lichtfunken ist ein Atman, der im verkörperten Zustand auch Jiva genannt wird. Die Gesamtheit aller Atmans wird Tata-stha-Shakti genannt, die am Rande verlaufende Kraft Gottes. Alle Shaktis Gottes sind Brahman, auf unvorstellbare Weise mit dem Parabrahman (Gott) identisch, aber gleichzeitig ewig von ihm verschieden.

Sat (ewiges Sein), Cit (vollkommene Erkenntnis) und Ananda (göttliche Wonne, Glückseligkeit) sind seine natürlichen Eigenschaften. Je nach Aufenthaltsort besitzt er eine zeitweilige Gestalt aus der Kraft der Maya, keine Gestalt als reiner Atman im Lichtmeer des Brahmajyoti oder eine ewige Gestalt aus der spirituellen Kraft in den unendlichen Gottesreichen Vaikunthas.

Atman ist das ewige göttliche Selbst, d. h. die im Körper anwesende göttliche Seele (Jiva), eine ewige Emanation von Gott selbst. Wir, die Atmans, sind daher im wahrsten Sinne des Wortes die Söhne oder Töchter Gottes und noch weit mehr.

Der verkörperte Atman

Wird über das Lebewesen als Atman gesprochen, bezieht sich dies allein auf die ewige und unveränderliche innerste Identität. Es ist dieses innerste unzerstörbare Ich, das von den feinstofflichen Hüllen (Manas: Denken, Fühlen, Wollen; Buddhi: Intelligenz, Verstand; Ahankara: Falsches Ego) und dem grobstofflichen Körper eingekleidet und bedingt wird. Es ist auch der Atman, der diesen Hüllen ein scheinbares Leben verleiht.

"Das Selbst wird nie geboren und es stirbt zu keiner Zeit. Es ist immerwährend, ungeboren, ewig, uralt und wird nicht zerstört, wenn der Körper vernichtet wird." (Krishna in der Bhagavad-Gita 2.20)

Woher kommt der Atman

Der Veda arbeitet oft mit Analogien, uns bekannten "Bildern", um sich der ewigen Wirklichkeit anzunähern. Gleichzeitig wird davor gewarnt, diese "Bilder" als das Transzendente misszuverstehen. Hier folgt ein solches "Bild":

Der Veda spricht von drei Hauptkräften Gottes:

Die Atmans werden die am Rande (machmal auch "in der Mitte") verlaufende Kraft oder Energie genannt, weil sie sich zwischen den anderen zwei grossen Kräften Gottes bewegen.
Im Brahmajyoti geniessen die Atmans – gewissermassen völlig selbstvergessen, wie in einer extrem tiefen Meditation – in einem absolut passiven Zustand das Glück, welches von der Cit-Shakti ganz natürlich ausströmt. Wenn nun ein Atman, einer dieser spirituellen Lichtfunken – berührt von diesem Glück (ananda) – Aktivität entfaltet, geschieht ganz automatisch eine Art innerer Seelen-Prozess.

Hierzu muss man verstehen, dass im Bereich des Lichtmeeres, der göttlichen Ausstrahlung (Brahmajyoti), die Atmans keine persönlichen oder individuellen Merkmale entfalten. Ihre ewige Individualität ist vorhanden, aber ihre Fähigkeit, Erkenntnis und Glück zu steigern (durch Aktivität), befindet sich – einfach gesagt – in einem deaktivierten, passiven Zustand.
Wenn jetzt – hervorgerufen durch die Impulse des statisch erfahrenen Glücks – der Atman quasi erwacht und dieses Glück erweitern möchte, erwacht er ebenfalls sein natürliches aktives Wesen, welches das Glück aktiv steigern will.
Dafür braucht es aber einen geeigneten Ort. Das ist entweder die materielle Energie (Maya-Shakti) mit ihren schier zahllosen Universen oder die spirituelle Energie (Cit-Shakti) mit ihren unendlichen Gottesreichen.

Beim "Erwachen" können nun zwei grundsätzlich verschiedene innere "Haltungen" im Atman Ausdruck finden:

  • Als Teil Gottes, als winzige Emanation von ihm, besitzt der Atman in kleinem Ausmass Eigenschaften, die Gott selbst in unmessbarem Ausmass besitzt. Eine dieser Eigenschaften ist es: Gott ist das natürliche Zentrum aller Dinge und somit auch der natürliche Geniesser aller Dinge.
  • Ein anderer Aspekt seiner Persönlichkeit ist sein unendlicher Drang, die Wünsche aller bewussten Wesen (Atman) zu erfüllen, ihnen allen zu dienen, um sie (entsprechend ihren Wünschen) glücklich zu machen.

Der indirekte Weg

Wenn nun im erwachenden Atman das Bewusstsein "Ich bin Zentrum" und "Geniesser" Oberhand gewinnt, besteht in der Cit-Shakti, wo sich alle Atmans über das wahre Zentrum bewusst sind, keine Möglichkeit, diesen Drang oder diesen Wunsch "Zentrum und Geniesser zu sein" zu leben und zu erleben. Für diese Grundhaltung des Atman steht die materielle Energie zur Verfügung.

Eingehüllt in ein falsches materielles Ich-Bewusstsein (Ahankara)1), geniesst der Atman die zeitweilige Erfahrung von "das Zentrum und der Geniesser zu sein".

Dieses "Zentrum-sein-wollen" hat aber noch eine weitere Konsequenz. Kein Atman hat die Berechtigung, seinen Anspruch gegenüber den anderen verkörperten Atmans, die alle von derselben göttlichen Natur sind, durchzusetzen. Daher unterstehen alle dem Karma-Gesetz, welches im Kreislauf der Wiedergeburten dafür sorgt, dass jede Seele mit den Folgen ihres eigenen Tuns konfrontiert wird, um durch Erfahrungen, die sich dem Unterbewusstsein (Citta) einprägen, zu lernen. Die wichtigste Lektion die es aber durch das Karma und den Kreislauf der Wiedergeburten zu lernen gibt, ist die Erkenntnis, dass wir uns im Gefühl, wir seien das wahre Zentrum und die wahren Geniesser geirrt haben. Folglich beginnt die Suche nach dem wirklichen Zentrum, Gott, den wir noch gar nicht persönlich kennen gelernt haben.

Der direkte Weg

Wenn der erwachende Atman vom Impuls oder Wunsch, der Quelle des bereits erfahrenen Glücks zu dienen, erfüllt wird, kommt er unmittelbar und direkt in die spirituelle Welt. Hier in Gotteswelten, wo die Atmans im liebend-dienenden Austausch in ihrer ewigen Identität in einem ewigen spirituellen Körper, den Liebesaustausch mit Gott und anderen liebenden Seelen geniessen, erhält er entsprechend seiner Beziehungsneigung, sein spirituelles Zuhause.2)

Laut Veda machen gerade 25% aller Atmans ihren Weg über die materielle Energie.

Ist der Atman so was ähnliches wie ein winziger Avatara?

Nein. Avatara bezieht sich auf das persönliche Herabsteigen Gottes oder auf seine persönliche Shakti (Kraft), die einen beauftragten Atman begleitet. Ein Avatara – sei es eine Gestalt Vishnus, Krishnas oder seine Shakti, welche einen Atman begleitet und der so zum Shakti-Avesha-Avatara wird – kommt immer aus der Cit-Welt, Vaikuntha. Die in die Materie verstrickten Atmans waren noch nie in Vaikuntha, sie kamen alle aus der Tata-stha-Shakti, der am Rande verlaufenden Energie Gottes.

Unsere Vorstellung und Sprache zementiert sehr oft die falsche Identität

Oft hört man die Frage: "Lebt meine Seele nach dem Tode weiter?" Oder auch die Aussage: "Wir Menschen besitzen eine Seele, Tiere nicht." Solche Fragen und Behauptungen sind letztlich nur sprachliche Ausdrucksformen der Unwissenheit, welche unsere falsche Identifizierung mit Materie zum Ausdruck bringen.

Der Veda würde dazu sagen: "Wir können keine Seele (Atman) haben, die nach dem Tode evtl. weiter existiert!". Warum?
Wir sind die ewige Seele, bzw. Atman, und als solches sind wir eingehüllt in geistig-materielle und physisch-materielle Körper, die von ewig veränderlicher Natur sind. Der Tod bedeutet folglich: Wir (Atman) verlassen gemeinsam mit dem geistig-materiellen Körper, den physischen Körper, mit dem wir uns bis anhin identifiziert haben.3)

Der physische Körper hat in Wirklichkeit nie gelebt, er wurde von uns (Atman) lediglich belebt, ähnlich wie ein Auto oder Flugzeug lebendig erscheint, jedoch das scheinbare Leben durch den Fahrer oder Piloten erhält.
Das Gehirn könnte man in dieser Analogie mit einem höchst komplizierten Bordcomputer mit vorinstallierter Software vergleichen: Viele Dinge sind veränderbar oder umprogrammierbar, aber grundlegend wichtige Funktionen sind auf solche Art in den Bordcomputer integriert, dass der Pilot oder Fahrer keinen Einfluss nehmen kann.
Analog braucht sich der Fahrer keine Gedanken über Airbag, ABS und andere automatisierten Hilfen zu machen.

Auf ähnliche Weise sind in unserem feinstofflichen Körper "Basisprogramme" integriert, die sich aufs Gehirn übertragen, welches als Relaisstation zwischen dem Atman in seinem feinstofflichen Körper und dem physischen Körper dient. So müssen wir niemals daran denken, das Herz schlagen zu lassen, die Nieren oder Leber arbeiten zu lassen usw. Viele Funktionen des Körpers werden via Gehirn gesteuert, ohne dass wir auch nur daran denken müssten, und wenn jemand doch mal daran denkt, hat er meistens keine Ahnung, wie es funktioniert.
Jedoch zu glauben, die Persönlichkeit sei mit den elektro-chemischen Prozessen des Gehirns identisch oder würde durch diese erschaffen, ist dasselbe, wie wenn man glauben würde, ein Auto oder Flugzeug hätte aufgrund des Bordcomputers eine eigene Persönlichkeit, mit anderen Worten: das Auto fährt ohne Fahrer und das Flugzeug fliegt ohne Piloten.

Oberflächliche Betrachter vermuten also, die individuelle Persönlichkeit sei ein Produkt des Gehirns, sozusagen mit ihm identisch. Dabei wäre gerade in diesem Fall unsere Sprache sehr hilfreich. Wir sagen nämlich "mein Gehirn", nicht "ich Gehirn"; "mein Körper", nicht "ich Körper", "ich besitze Intelligenz oder Verstand", nicht "ich bin Intelligenz oder Verstand". Auf jeden Teil des Körpers und sogar auf den Intellekt erheben wir sprachlich einen Besitzanspruch.
Die dahinterstehende Persönlichkeit, welche diesen Besitzanspruch auf Körper und Intellekt erhebt, ist der Atman, der sich im gleichen Atemzug, unter dem Einfluss des falschen Ego (Ahankara), sofort mit diesem "Besitz" identifiziert und ihn verteidigt.

Der Atman in spiritueller Umgebung

Während die Anhänger des Advaita-Vedanta den Atman als identisch mit dem Brahman sehen, frei von allen Attributen, betrachten die Vaishnavas den Atman als ewiges transzendentes Individuum, erfüllt mit tranzendenten (nicht-materiellen) Eigenschaften.4) In Vaikuntha, der ewigen spirituellen Welt, erhält und besitzt er eine ewige, seiner Sthayi-Bhava5) entsprechende spirituelle Gestalt. Die Gestalt ähnelt, entsprechend dem jeweiligen Gottesreich, der Gestalt Gottes selbst oder seiner persönlichen Shakti.

Jeder der Mitspieler Gottes in seinem Spiel (Lila) hat von Ewigkeit her eine dauernde Gestalt seiner Beziehung zu Gott im liebenden Dienen (Sthayi-Bhava genannt). Der Körper eines solchen Gefährten Krishnas (auch wenn er oder sie an der Lila auf Erden teilnimmt) ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Dienekraft, aus Prema. Sie bestehen aus Cit-Shakti und bilden daher die wahre Einheit von Gestalt und Atman.

Siehe auch

2)
Siehe hierzu auch Bhakti-Yoga.
3)
Siehe auch Wiedergeburt.
4)
Rupa Goswami, ein Schüler von Krishna-Chaitanya, beschreibt diese ausführlich in seinem Werk Bhakti-Rasamrita-Sindhu.
5)
Seine ihm eigene, innewohnende Liebeshaltung gegenüber Gott.
atman.txt · Zuletzt geändert: 2014/06/27 11:57 (Externe Bearbeitung)