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Hier findest du Wissen zur Theologie und dem Seelenverständnis des Hinduismus, bzw. Vishnuismus.

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Gott und seine Energien

Die verkörperte Seele


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sampradaya

Sampradaya

Sampradaya (Sampradāya) ist eine Guru-Schüler-Nachfolgelinie.

Im Vishnuismus gibt es vier traditionelle Sampradayas, die sich sowohl in der Praxis der Rituale und Zeremonien, als auch in der Lehre selbst leicht voneinander unterscheiden.

Gemeinsame Lehrsätze

  • Gott ist unter vielen Namen wie Krishna, Rama, Narayana usw. bekannt und er ist der alleinige höchste Herr, Einer ohne einen Zweiten.
  • Er manifestiert sich in vielen Gestalten und zahllosen Avataras.
  • Er besitzt einen ewigen spirituellen Körper, voller Wissen und Glückseligkeit (sat-cit-ananda-vigraha).
  • In seinen unterschiedlichen Gestalten, wird er von zahllosen Geweihten (Vaishnavas) verehrt.
  • Als Überseele (Paramatma) befindet er sich in allen Dingen. Er befindet sich in den Herzen aller verkörperten Lebewesen (Atman)1), er ist der innere Lenker (Antaryami), der stille Zeuge aller Tätigkeiten, der Erhalter und Freund aller Lebewesen.
  • Prakriti ist seine ewige Shakti. Daher ist die materielle Manifestation real und keine Illusion.2) Prakriti hat zwei Zustände: manifestiert und unmanifestiert. Im manifestierten Zustand sind ihre Formen einem ständigen Wandel unterworfen.3)
  • Der verkörperte Atman identifiziert sich fälschlicherweise mit seinen groben und feinstofflichen Hüllen aus der Substanz der Prakriti. Daher richtet sich sein Wünschen und Sehnen auf grob- oder feinstoffliche Objekte, die nicht von Dauer sind, was seine fortgesetzte Verstrickung in den Kreislauf von Geburt und Tod verstärkt. Das wird mitunter die Illusion der Lebewesen genannt.4)

Unterschiede

Nebst kleineren Unterschieden in der Ausübung von Ritualen, Zeremonien und leicht unterschiedlichen philosophischen Schwerpunkten, liegt ein auffallender Unterschied im Glauben daran, welche Gestalt Gottes denn nun wirklich die ursprüngliche, urerste Form sei.

Dabei kristallisieren sich drei Hauptgruppen heraus, die nicht immer 100%-ig einer bestimmten Sampradaya zuzuordnen sind. es sind dies jene, die:

als die urerste Gestalt betrachten.

Da jedoch alle Vaishnavas alle drei Gestalten als den höchsten Gott akzeptieren, der immer derselbe Eine in unterschiedlicher Gestalt ist, besteht der Unterschied nicht in der Frage, wer Gott sei oder nicht, sondern darin, wem die volle Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Philosophisch betrachtet ist dies aber kein wirkliches Problem, da jede Seele in ihrer Freiheit sich ganz natürlich zu einer ganz bestimmten Gestalt des Herrn angezogen fühlt. Letztlich ist es also eine Frage des liebenden Herzens und nicht einer rationalen Analyse des Veda, der uns auch hierzu eine Antwort geben könnte.

Dies wird durch eine kurze Geschichte aus dem Chaitanya-Charitamrita II. 15. Kap. sehr schön veranschaulicht: Mahaprabhu umarmt Murari Gupta und spricht zu den Bhaktas von dessen festgegründeter Bhakti. "Früher habe ich ihn wiederholt in Versuchung führen wollen und gesagt: 'O Gupta, der Sohn Nandas (Krishna) ist höchste göttliche Lieblichkeit. Er ist der in sich selbst gegründete Bhagavan, Urgestalt aller Avataras, Urgrund von allem und höchste Fülle aller Rasas der Prema. Er ist geschickt in allen Künsten, er lässt sich in allen Schwierigkeiten nicht von seinem Ziel abbringen. Er ist der Gipfel aller Rasas, Ozean aller herrlichen Eigenschaften. Krishnas Wandel ist lieblich; lieblich ist sein Spiel. Mit höchstem Geschick tut er seine Rasa-Lila. Verehre du diesen Krishna, richte dich auf Krishna aus! Ausser der Verehrung Krishnas gefällt mir keine andere Verehrung!'
Er hörte solche Worte wiederholt, und aus Achtung zu mir änderte sich sein Sinn ein wenig. Er sagte zu mir: 'Ich bin dein Diener, ich führe deine Befehle aus, ich bin nicht unabhängig'.
Dann ging er nach Hause, dachte die Nacht darüber nach. Beim Gedanken daran, dass er Raghunatha (Shri Rama) im Stich lassen sollte, geriet er ganz ausser sich. 'Wie soll ich die Füsse Raghunathas aufgeben? Laß mich, o Rama, noch heute Nacht sterben!' So weinte er die ganze Nacht hindurch und konnte sich nicht beruhigen. Die ganze Nacht wachte er. Am frühen Morgen kam er zu mir, erfasste meine Füsse und weinend bat er mich: 'Ich habe meinen Kopf an die Füsse Raghunathas verkauft und vermag meinen Kopf nicht wegzuziehen. Das quält mich. Ich vermag die Lotosse der Füsse Shri Raghunathas nicht im Stich zu lassen. Andererseits verletze ich deine Anweisung. Was ist da zu tun? O du von barmherziger Liebe Erfüllter, habe Gnade zu mir und lass mich hier vor dir sterben! Möge der Zweifel sich lösen!'
Als ich das hörte, freute ich mich sehr. Ich hob ihn auf und umarmte ihn. 'Herrlich, herrlich, Gupta, ist dein so unverbrüchliches Verehren, so dass dein Geist durch meine Worte sich nicht irre machen liess. Eine solche Liebe (priti) des Dieners zu den Füssen des Herrn ist nötig. Auch wenn der Herr selbst einen loswerden will, kann man seine Füsse nicht aufgeben. Um zu erkennen, wie festgegründet deine Liebe ist, habe ich wiederholt mit Nachdruck zu dir gesprochen. Du bist Hanuman selbst, der Diener Shri Ramas. Wie solltest du wohl die Lotosse seiner Füsse aufgeben. Diesen Murari Gupta achte ich meinem eigenen Leben gleich. Wenn ich höre, wie er sich selbst abwertet, zerreisst es mir das Herz."5)

*4 Sampradayas (english)

1)
Da der Paramatma den verkörperten Atman (Jiva) durch alle grob- und feinstofflichen Welten begleitet, ist diese Aussage definitiv nicht auf das Herz des physischen Körpers festzulegen.
2)
Shankara erklärt in seiner Advaita-Lehre die materielle Energie zur Illusion, ganz im Gegensatz zu den Schulen der Vaishnavas, welche die Prakriti als eine ewige Energie (Shakti) Gottes betrachten.
3)
Daher liegt die Illusion darin, die physischen Formen, Sinne und Sinnesobjekte, als Erfüllungsmöglichkeiten der beständigen realen inneren Bedürfnisse, die dem Atman entstammen, zu betrachten.
4)
Nicht die Materie ist Illusion, sondern die Identifikation mit ihr und die auf die Materie ausgerichteten Wünsche, welche selbst dann, wenn sie erfüllt werden, nicht von Dauer sind.
5)
Übersetzt von Walther Eidlitz, in Krsna-Caitanya - Sein Leben und Seine Lehre.
sampradaya.txt · Zuletzt geändert: 2014/06/27 11:58 (Externe Bearbeitung)