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shankara

Shankara

Shankara (Śankara), auch Shankaracharya (acarya = beispielgebender Meister) genannt (ca. 788-820), etablierte in Indien erneut die Akzeptanz des Veda und verdrängte den Buddhismus fast gänzlich aus dem indischen Subkontinent.

Shankara interpretierte die Vedanta-Sutras (Brahma-Sutras) auf unpersönliche Weise (Monismus) und gründete die philosophische Schule des Advaita-Vedanta.

Shankaras Lehre

Die äussere Welt mit ihren Erscheinungen bewertet Shankara als Illusion (oder Werk der Maya): "Nur wer Unterscheidungsvermögen besitzt und seine Gedanken von allen irdischen Freuden abwendet, wer Gleichmut und die verwandten Tugenden besitzt, wer überdies nach Befreiung (Mukti) verlangt, ist befähigt Brahman zu suchen".
Nach Shankara ist die erste Voraussetzung die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Nicht-Ewigen. Brahman ist wirklich, der Kosmos (Prakriti) ist unwirklich. Ein Weg zur Erkenntnis ist das Bewusstsein von allen Gegenständen abzuziehen, mit anderen Worten, die sinnliche Wahrnehmung von den Gegenständen (den Sinnesobjekten) abzulösen und in ihr Zentrum zurückzuziehen.

Auf dem Weg nach Erlösung (Mukti; Moksha) räumt Shankara der spirituellen Erkenntnis den höchsten Stellenwert ein:

  • "Man mag die heiligen Schriften zitieren, den Vorfahren Opfer darbringen oder man mag die Riten ausführen und die Devas verehren, doch solange der Mensch nicht zur Erkenntnis seiner Identität mit dem Atman erwacht, kann er niemals Befreiung finden, nicht mal nach Hunderten von Yugas".

Shankara betont die Eigenverantwortung und die Erlösungsfähigkeit des Menschen:

  • "Die Ketten, die uns durch unsere Unwissenheit binden, durch lustvolle Begierden (Kama) und die Früchte unseres Karmas, kann niemand lösen ausser uns selbst". Er weist auch darauf hin, dass intellektuelles Streben ohne spirituelle Dimension nicht ausreicht: "Das Studium der Schriften ist fruchtlos, solange Brahman nicht erfahren wird".

Immer wieder weist Shankara auf die Wichtigkeit der Überwindung der Sinne hin:

  • "Wer mit dem Schwert der wahren Begierdelosigkeit den Haifisch der Sinneslust getötet hat, überquert das Meer dieser Welt (Samsara) ohne Hindernis".

Die Bindung an Körper, Gegenstände oder Menschen bewertet er als verhängnisvoll für den, der nach Befreiung strebt.

Der feinstoffliche Körper wird als Sitz der menschlichen Begierden betrachtet. Die Unwissenheit stülpt diesen feinstofflichen Körper über den Atman.

Die Vaishnava-Sicht

Die monistische Advaita-Lehre (nicht der Monist selbst) gilt als der natürliche (geistige) "Feind" (mangels eines besseren Wortes) der Bhakti-Lehre.
Warum?
Der Bhakta hat kein Interesse, mit dem Objekt seiner Liebe zu verschmelzen, sprich: mit dem Brahman zu verschmelzen.
Der Austausch von Liebesgefühlen erfordert zwei, den Liebenden und den Geliebten. Daher empfindet der echt liebende Bhakta die Vorstellung einer Verschmelzung und damit einhergehender Auflösung des Individualitätsempfindens als eine Art von spirituellem Selbstmord, der den Liebesaustausch zerstört.
Das bedeutet nicht, dass der Vaishnava nicht die qualitative Einheit des Brahman versteht oder akzeptiert. Die Einheit ist für ihn Teil des Ganzen. Dieses Verständnis kommt in allen vier Sampradayas der Vaishnavas (angefangen bei Ramanuja) zum Ausdruck.
Die Vaishnava-Acharyas sprechen von: Shuddha-Advaita (reine qualitative Einheit), Dvaita-Advaita (gleichzeitige Einheit und Verschiedenheit), Vishishta-Advaita (Unterschiedslos und dennoch bezeichnet und unterschieden) und Dvaita (Verschiedenheit), und zwar die Verschiedenheit der höchsten Seele (Paramatma) zur individuellen Seele (Atman).1) Das sind die die vier klassischen Vaishnava-Lehren, die sich von der Advaita-Lehre Shankaracharyas deutlich unterscheiden. Shri Krishna-Chaitanya fasste dies mit den Worten "acintya bheda-abheda-tattva" zusammen:

  • "Die höchste absolute Wahrheit ist auf unbegreifliche Weise gleichzeitig eins mit und verschieden von allem."

Dies wird im Bhagavatam 1.2.11 näher veranschaulicht:

vadanti tat tattva-vidas tattvam yaj jñanam advayam
brahmeti paramatmeti bhagavan iti shabdyate

"Die Kenner der Wahrheit beschreiben die ewige Wahrheit, deren Wesen zweitlose (nicht-duale) reine Erkenntnis ist, als Brahman, Paramatma und Bhagavan, so wird es vernommen."

Wenn es hier heisst, die absolute Wahrheit sei nicht-dual (advayam), bedeutet es nicht, dass es in ihr keine Unterschiede gibt. So fährt der Autor fort, indem er die Unterschiede in dieser nichtdualen Wirklichkeit des Transzendenten benennt:

  • Brahman, die alldurchdringende und eigenschaftslose spirituelle Energie.
  • Paramatma, die Überseele, welche jeden Atman begleitet und in transzendenter Gestalt in allen Dingen gegenwärtig ist. Siehe hierzu auch das 13. Kapitel der Bhagavad-Gita.
  • Bhagavan, der höchste Herr selbst, der jenseits der manifestierten Prakriti in seinem ewigen Reich Vaikuntha weilt.

Alle drei Aspekte zusammen bilden die absolute, nichtduale höchste Wahrheit (Tattva). Shankara konzentrierte sich in seinem Kommentar zum Brahma-Sutra allein auf die qualitative Einheit aller Dinge und erklärte so das Verständnis der Advaita-Lehre zu Vedanta.

Die versteckte Seite Shankaras

Shankara schrieb auch Gedichte, die als "Bhaja Govindam" bekannt sind. Eines sprach er kurz vor seinem Weggehen aus dieser Welt:

bhaja govindam bhaja govindam bhaja govindam mudhamate
samprapte sannihite kale na hi na hi rakshati dukrinyakarane

"Verehre Govinda, verehre Govinda, o ihr Narren und Schurken, verehrt einfach Govinda. Eure Grammatikregeln und Wortspielereien werden euch zur Zeit des Todes nicht helfen."

Shankaracharya gilt als eine versteckte Inkarnation Shivas. Er bekam die undankbare Aufgabe, die Autorität des Veda wieder einzusetzen, welche von Buddha aus bestimmten Gründen abgelehnt wurde.2) Dies tat er, indem er die Ähnlichkeiten der Einheitslehre im Veda im Vergleich zum Buddhismus hervorhob.

Diese erneute Akzeptanz des Veda bildete die Grundlage dafür, erneut das gesamte Wesen des Veda und dessen Schlussfolgerung (Vedanta; das Ende des Wissens) weiter zu etablieren, wie es bereits in den Gedichten und letzten Worten von Shankara selbst zum Ausdruck gebracht wurde. Deutlich warnt er seine Nachfolger, nicht an Grammatikregeln und Wortspielereien hängen zu bleiben, sondern das Ziel des Veda, Govinda zu verehren. Denn Wortspielereien und Grammatikregeln, die noch heute unter Sanskritexperten und Indologen beliebt sind, können den verkörperten Atman nicht vor den Folgen seines Tuns (Karma) und dem Kreislauf der wiederholten Geburten und Tode beschützen. Um daher seiner Aussage Gewicht zu verleihen, verwendet auch Shankara die dreifache Wiederholung.3)

Shri Krishna spricht in der Bhagavad-Gita:

sarvasya caham hrdi sannivisto mattah smrtir jñanam apohanam ca
vedais ca sarvair aham eva vedyo vedanta-krd veda-vid eva caham

"Ich weile im Herzen aller Lebewesen. Von mir kommt Erinnerung, Wissen und Vergessen. Durch alle Veden bin ich es, der zu erkennen ist. Ich bin der Verfasser des Vedanta und ich allein bin der Kenner der Veden." (15.15)

Das Ziel der Veden ist Shri Krishna (Govinda) und das Ende des Wissens (Vedanta) liegt darin, ihn zu erkennen und zu verstehen und ihn liebend zu verehren. Bhaja govindam bhaja govindam bhaja govindam, wie es Shankara persönlich und mit Nachdruck in seinen letzten Worten übermittelte: verehre Shri Govinda.

Shankaras Nachfolger sehen sich ausserstande, seine letzte Aufforderung sinnvoll einzuordnen. Das wird erst dann möglich, wenn die gleichzeitige Vielheit der Einheit erkannt wird, wie es obiger Vers des Bhagavatams (1.2.11) beschreibt.

1)
Siehe hierzu auch Vedanta.
3)
Im Veda wird durch die dreifache Wiederholung einer Aussage besonderer Nachdruck verliehen."
shankara.txt · Zuletzt geändert: 2014/06/27 11:58 (Externe Bearbeitung)