Asura

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Die Asuras (Asura), Dämonen, sind die Gegenspieler der Devas oder Suras.

Das Wort Sura bedeutet im Sanskrit "Lichtwesen", "Lichtgestalt". Durch die Vorsilbe "a" wird die Verneinung bzw. die Bezeichnung des Gegenteils ausgedrückt. Asuras sind somit "Gegner der Suras". Der Begriff "Asura" wird daher häufig mit "Dämon" übersetzt. Es sind jedoch nicht Höllenwesen, sondern ehrgeizige, eifersüchtige und neidische Kreaturen, welche die Götter (Devas) bekämpfen. Kennzeichen eines Asuras ist, dass er die Verehrung Gottes (Vishnus) kategorisch ablehnt und sich oft in seinem persönlichen Verhalten gegen das Dharma stellt. Mächtige Asuras haben wiederholt versucht, die Welten der Devas gewaltsam einzunehmen und die Regeln des Dharma zu zerstören (welche direkt und indirekt auf Vishnu hinweisen) und haben sogar gewagt, offen gegen einen Avatara Vishnus zu kämpfen (z.B gegen Narasimha).

Die Asuras sind, ebenso wie die Devas, Gestaltwechsler, das heisst, Kraft ihrer Gedanken können sie ihr äusseres Erscheinungsbild beliebig verändern. Sie leben normalerweise in den "unteren sieben Planetensystemen", welche oft auch höllische Planetensysteme oder Welten genannt werden.

Hölle

Diese Höllen, es sind Welten, in denen der Guna Tamah (Unwissenheit; Dunkelheit)[1] vorherrscht, sind die Welten der Asuras; sie alle gehören - ebenso wie die Himmel der Devas - zum Bereich des endlosen Kreislaufs von Geburt und Tod; sie sind vergänglich.
Hölle ist auch nicht automatisch mit physischem oder psychischen Leid gleichzusetzen. Im Sinne des Bhagavatam ist das "Gott-abgewandt-sein" als höllisch zu bezeichnen. Es sind nicht die leid- oder genussvollen Umstände, welche das Höllische oder das Himmlische definieren, denn die himmlischen Planeten sind auch nicht frei von Leid. Die Asura-Welten (Höllen) werden daher im Bhagavatam auch "die himmlischen Planeten unterhalb der Erde" genannt (siehe Bhagavatam 5.24.7-31). Es ist die innere geistige Haltung, welche zwischen Deva und Asura trennt. So kann selbst ein Asura ein ethischer Mensch sein, wenn dies seinem Ansehen und Stolz dienlich ist oder wenn er den Mechanismus des Karma versteht. Doch all seine guten Taten (Karma) tut er ohne das geringste Verständnis über seine ewige Identität als Atman und dessen Beziehung zu Vishnu.

Asura-Eigenschaften

lm sechzehnten Kapitel der Bhagavad-Gita werden einander zwei Wesensarten gegenübergestellt, deren unterschiedliche Eigenschaften zu unterschiedlichen Bestimmungen führen: die heilsamen (daivic) und die unheilsamen (asuric) Eigenschaften eines Lebewesens. Die Differenzierung der Eigenschaften, auf die hier hingewiesen wird, erweist sich als notwendig für jedes Lebewesens, das sich danach sehnt, in seinem Leben einen Reifeprozess zu durchlaufen, das heisst, sein reines (tranzendentes) Bewusstsein zu erwecken, denn nicht jede Eigenschaft erweist sich als hilfreich in der Entwicklung von Selbst- und Gotteserkenntnis. Um deshalb einen bestimmten Weg einzuschlagen, gibt es hilfreiche und störende Voraussetzungen.
Die Bhagavad-Gita geht ausführlich auf die Charaktereigenschaften der Asuras ein:
"Wer mit Eigenschaften wie Stolz, Selbstgefälligkeit, Zorn, Grobheit und Unwissenheit geboren wird, zählt zu den Asuras." (Bhagavad-Gita 16.4)
"Sie wissen nicht, was getan werden muss und was nicht getan werden darf. In ihnen ist weder saucam (innere geistige Sauberkeit), richtiges Verhalten, noch Wahrheit[2] zu finden." (Bhagavad-Gita 16.7)
"Sie sagen, das Universum sei unwirklich, ohne Grundlage und ohne Schöpfer, es sei grundlos entstanden. Das Universum sei lediglich ein theoretisches Modell lustbetonter Menschen." (Bhagavad-Gita 16.8) (Hier beschreibt Krishna die Gedankenprozesse der Asuras.)
"Indem sie bei solchen Ansichten Zuflucht nehmen, voller Laster, verkommen und unintelligent, beschäftigen sie sich mit gewalttätigen Handlungen. Solche Menschen sind dazu geboren, Zerstörung in die Welt zu bringen." (Bhagavad-Gita 16.9)

Für Asuras ist die Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod sehr schwer. Weil sie durch ihr Handeln immer wieder durch den Mutterleib anderer Asuras geboren werden, fallen sie nach und nach in die dunkelsten Bereiche des Daseins, wie von Krishna in den Versen 16.16-20 dargelegt wird.

Es scheint fast, als ob Krishna sich von jenen "Schlimmsten der Menschheit" abwenden, ja, ihr Schicksal auf ewig besiegeln würde. Doch dies ist nicht der Fall. Vielmehr zeigt er die Bestimmung eines Lebewesens auf, das unter dem Einfluss seines eigenen Karmas immer weiter gebunden wird und schliesslich in einem Netz von Illusionen gefangen, in (selbstverursachte) höllische Umstände fällt. Es ist das eigene Tun, und die daraus erwachsenden Reaktionen (Karma), die eigenen Wünsche und Triebe, die zu diesem stetigen Fallen führen.

"Es gibt drei Tore, die zu diesem höllischen Dasein führen. Es ist Lust (kama)[3], Zorn (krodha) und Gier (lobha). Diese drei Dinge sollte man aufgeben, denn sie führen zur Erniedrigung des Selbst (Atman)." (Bhagavad-Gita 16.21)

Nicht die Wertung steht hier im Vordergrund, sondern die Unterscheidung. Es sind Eigenschaften, die in jedem Lebewesen in einem unterschiedlichen Mischverhältnis vorhanden sein können, oder wie es im Mahabharata ausgedrückt wird: Nichts ist vollständig gut oder vollständig böse (natyantam gunavati kincin natyantam dosavat tatha).

Fussnoten

  1. Unwissenheit oder Dunkelheit bezieht sich auf die innere geistige Haltung gegenüber dem eigenen Selbst und Gott. Asuras sind in den materialistischen Wissenschaften oft sehr gebildet. Doch ihre Bildung dient nicht dem Wohl des Atman. Ihr Wissen und ihre Intelligenz ist auf die grob- und feinstoffliche Natur ausgerichtet.
  2. Ein Asura erklärt die Welt oder das Universum immer getrennt von Gott und seinen Kräften (wie die Cit-Shakti, Tata-stha-Shakti oder Maya-Shakti), das gilt als Unwissenheit und Unwahrheit, da die reale Grundlage fehlt.
  3. "Kama" meint nicht bloss sexuelle Lust. Jegliche Form der Lust, welche letztlich den eigensüchtigen Genuss der Sinne über das Wohl anderer fühlenden Wesen stellt, gehört hierzu. Z.B. die Lust, das Fleisch toter Tiere zu "geniessen" und die Qual und das Elend dahinter zu ignorieren.
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