Gaudiya-Sampradaya
Aus Vishnupedia
Gaudiya-Sampradaya ist der von Krishna-Chaitanya stammende Zweig der Brahma-Sampradaya, die zu den vier traditionellen Schülernachfolge-Linien gehört. Die Nachfolger werden auch Gaudiya-Vaishnavas genannt.
Es handelt sich um eine im 15. Jahrhundert in Navadvipa (Bengalen) entstandene Strömung, welche besonderes Gewicht auf die liebende Verehrung des göttlichen Paares Radha-Krishna legt, welches als die höchste transzendente Manifestation des Göttlichen betrachtet wird. Die Nachfolger dieser Linie legen grossen Wert auf das gemeinschaftliche Singen (Harinama-Samkirtana) von Mantras wie das Hare-Krishna-Mantra, welches bereits in der Ananta-Samhita, einem Abschnitt des Narada-Pancaratra erwähnt wird.
Lehrsätze
- Krishna ist der Aussender aller Avataras (Avatari).
- Vishnu (Narayana) ist nicht als verschieden von Krishna zu sehen und daher ist es auch nicht falsch, Krishna als den achten Avatara Vishnus zu bezeichnen. In einer der bedeutendsten Schriften der Gaudiya Vaishnavas, dem Chaitanya-Charitamrita, steht: Manche sagen, Krishna sei Nara-Narayana und andere meinen, er sei unmittelbar Vamana. Einige sagen, Krishna sei der Avatara Kshirodakashayi-Vishnus. Keine dieser Meinungen ist unmöglich, jede ist so richtig wie die andere. Manche nennen ihn Hari oder Narayana der transzendenten Welt. Jede dieser Möglichkeiten ist in Krishna, denn er ist der Avatari, der Ursprung aller Avataras. (I.2.113-115)
- Krishna ist "die höchste Form Gottes" (Purushottama), da er die Gestalt aller transzendenten Liebesbeziehungen darstellt. In anderen "Formen seiner Selbst", wie etwa Narayana-Vishnu, ist nur ein Teil von Krishnas Fülle an Beziehungsmöglichkeiten manifestiert.
- Halbgötter (Devas) wie Brahma oder Indra usw. sind "Gott dienende Seelen", die trotz ihrer machtvollen Position im Universum Krishna, bzw. dem Vishnu-Tattva untergeordnet sind.
- Shiva ist eine besondere Manifestation Narayanas. Er steht zwischen dem Vishnu-Tattva und dem Jiva-Tattva und verkörpere somit sein eigenes Tattva, das Shiva-Tattva. Aus der Sicht des Jiva-Tattva, den einzelnen Seelen, ist Shiva immer übergeordnet und somit für die Seelen Herr und Meister; selbst für Brahma, welcher eine von der Kraft Vishnus erfüllte Seele ist.
- Krishnas ewige Gefährtin, Radha, ist die transzendente Manifestation der höchsten göttlichen Liebe zu Krishna, gestaltgewordene Gottesliebe (Prema).
- Als die höchste Verbindung zwischen Gott und Seele gilt die Beziehung, welche der von Liebhaber und Geliebten ähnelt. Der Gaudiya-Vaishnava strebt im allgemeinen danach, in die Gemütsstimmung der Kuhhirtinnen (Gopis) von Vrindavana zu kommen, welche in vollkommen göttlicher Liebe (Prema) dem göttlichen Paar Radha-Krishna hingegeben sind.
Die Lehren der Gaudiya-Sampradaya und der anderen traditionellen Sampradayas stehen philosophisch im Spannungsverhältnis zum Advaita-Vedanta, der monistischen Auslegung der Vedanta-Sutras.
Weblinks
- World Vaishnava Association WVA (ein Dachverband, durch den über 30 Zweige der Gaudiya-Sampradaya lose verknüpft sind)
- Die fünf Hauptliebesbeziehungen zwischen den Seelen und Gott

