Vedanta

**Vedanta** (Vedānta) heisst wörtlich übersetzt: „Ende des [[veda|Veda]]“, die endgültige Schlussfolgerung von Veda (//Wissen//).

Innerhalb der gegewärtigen Schulen der Veda-Nachfolger gibt es unterschiedliche Auffassungen von Vedanta oder davon, was die endgültige Schlussfolgerung des Veda ist.

==== Advaita-Vedanta ====
Bei **Advaita-Vedanta** (Advaita Vedānta) handelt es sich um ein **monistisches Lehr-System**, das die Welt auf ein einziges Prinzip ([[brahman|Brahman]]) zurückführt.\\
Der bekannteste Gelehrte und Begründer des Advaita-Vedanta war [[shankara|Shankara]] (788–820 n. Chr.).

Wichtige Texte des Vedanta sind die Brahmasutras (auch „Vedantasutras“ genannt), die Shankara ebenso wie die [[bhagavad-gita|Bhagavad-Gita]] kommentierte. ‚Vivekachudamani‘ (Das Kleinod Unterscheidung), der ‚Atma Bodha‘, ‚Upadesha Sahasri‘ sind weitere zentrale dem Shankara zugeschriebene Werke des Advaitavedanta, die die Philosophie der Nicht-Dualität und der Einheit der Seele mit Brahman erläutern.\\
Wesentliches Charakteristikum des Advaita-Vedanta ist die Wesensidentität von [[atman|Atman]], der individuellen Seele, und [[brahman|Brahman]], deshalb die Bezeichnung Advaita-Vedanta, //Vedanta der Nicht-Dualität//. Hier besteht der Erkenntnisprozess des Menschen und der Weg zur Erlösung darin, diese Einheit zu erkennen. Dualität tritt demnach nur dort auf, wo //avidya//, Unwissenheit, herrscht. Die wahre Erkenntnis, die diese Unwissenheit überwindet, führt zur Advaita-Erfahrung und damit zur Befreiung, //[[moksha|moksha]]//.

Shankara reduzierte den Brahman-Begriff auf etwas ohne [[guna|Eigenschaften]], Form und Attribute (//[[nirguna_brahman|nirguna]]//). Daher gelten hier auch //sat// (reines Sein), //cit// (reines Bewusstsein) und //ananda// (reine Glückseligkeit) nicht als das Brahman qualifizierende Attribute, sondern letztlich sind es überflüssige Bezeichnungen des //Eigeschaftslosen//. Demgegenüber verknüpft der [[vaishnavatum|Vishnuismus]] diese drei Attribute schon seit unvordenklichen Zeiten mit der //vigraha// (Form, Gestalt) [[vishnu|Vishnus]], der daher auch als Parabrahman bezeichnet wird (//sat-cit-ananda-vigraha//) und dessen Gestalt voller transzendenter Eigenschaften ist, frei von den [[guna|Gunas]] der [[maya-shakti|Maya-Shakti]].

==== Vishishta-Advaita / Dvaita-Advaita ====
Bekannte Vertreter sind Ramanuja, ein Verehrer Lakshmi-Narayanas ([[Shri-Sampradaya]]) und Nimbarka, ein Verehrer [[radha-krishna|Radha-Krishnas]] ([[Rudra-Sampradaya]]). Nimbarka betonte [[Bhakti-Yoga]]. Es gab viele Bücher von dieser damals sehr populären geistigen Strömung, doch die meisten Quellen wurden vom einfallenden Muslim Aurangzeb (1659–1707) zerstört. Deshalb haben nur wenige Informationen über Nimbarka und seine Nachfolger überlebt.((Quelle: [[http://www.britannica.com/EBchecked/topic/415474/Nimbarka|The Encyclopædia Britannica]].))

Siehe: **[[vishishta-advaita|Vishishtadvaita-Vedanta]]**

==== Achintya Bheda-Abheda ====
**Achintya-bheda-abheda-Tattva** (//acintya-bhedābheda-tattva//), auch Dvaita-Advaita genannt, bezeichnet die philosophische Lehre, welche **//die unfassbare gleichzeitige Einheit mit und Verschiedenheit von der absoluten Wahrheit//** lehrt. \\
Begründer dieser Philosophie ist [[krishna-chaitanya|Krishna-Chaitanya]] (1486-1533).\\
Diese Lehre besagt, dass sowohl die [[tata-stha-shakti|Gesamtheit aller Seelen]] als auch die [[maya-shakti|Gesamtheit der Materie]] (Prakriti) Energien (Shaktis) der Persönlichkeit [[gott|Gottes]] sind. Als Gottes Energie sind sie einerseits mit ihm identisch und gleichzeitig auf ewig von ihm verschieden, //bheda-abheda//. Dies ist //acintya//, dem menschlichen Verstand nicht fassbar und durch die Sinne nicht erfahrbar. Die gleichzeitige Einheit und Verschiedenheit der Wahrheit (//tattva//) wird im [[bhagavatam|Bhagavata-Purana]] 1.2.11 folgendermassen veranschaulicht:\\
„**Die Kenner der Wahrheit (//tattva//) beschreiben die ewige Wahrheit, deren Wesen nicht-duale reine Erkenntnis ist, als [[brahman|Brahman]], [[paramatma|Paramatma]] und [[bhagavan|Bhagavan]], so wird es vernommen.**“

Die [[vaishnava|Vaishnavas]] – insbesondere in der Linie der [[gaudiya-sampradaya|Gaudiya-Sampradaya]] – sehen in dem Vers die konzentrierte Schlussfolgerung des [[veda|Veda]]: Die absolute Wahrheit ist nicht-dual (frei von allen dualen Designationen der Materie). Sie wird wahrgenommen als:
***Brahman**, die alldurchdringende und undifferenzierte spirituelle Energie.
***Paramatma**, die Überseele, welche jeden Atman begleitet und in transzendenter Gestalt in allen Dingen gegenwärtig ist.
***Bhagavan**, der höchste Herr selbst, der jenseits der manifestierten Prakriti in seinem ewigen Reich [[vaikuntha|Vaikuntha]] weilt.


==== Shuddhadvaita ====
Shuddhadvaita, die Philosophie der reinen Nicht-Dualität, wurde von Vallabha (1479 – 1531), einem Zeitgenossen [[krishna-chaitanya|Chaitanyas]] begründet.\\
Er lehnt die Maya-Lehre [[shankara|Shankaras]] ab, wonach [[brahmanda|Universum]] und Individualität blosse Illusion seien. Für ihn ist die ganze Welt Gottes Energie ([[shakti|Shakti]]) und trotz des ständigen Wandels real. Wie andere [[vaishnava|vishnuitische Philosophen]] unterscheidet auch er zwischen [[gott|Gott]], [[maya-shakti|Materie]] und den [[atman|individuellen Seelen]].\\
Vallabha erhob das [[Bhagavatapurana]] zur Position einer höchst autoritativen Schrift. Sein systematisches Werk Tattvadipa, das sich mit den Lehren des Bhagavatapurana beschäftigt, veranschaulicht seine Philosophie des Shuddhadvaita: [[krishna|Krishna]] erschafft die Jivas ([[atman|Seelen]]), kreiert das [[brahmanda|Universum]] und ist der höchste Geniesser seiner Energien. Der Zweck der Existenz Gottes und der Seelen liege in nichts anderem, als sich gegenseitig zu erfreuen und zu geniessen. [[radha|Radha]] sei die Gestalt gewordene Liebe Krishnas.((Zusammengefasst aus Klaus K. Klostermaier: Hinduism – A Short History, Seite 111–114 (ISBN 1-85168-213-9) ))

Die Schule Vallabhas ist bekannt für ihre Verehrung [[radha-krishna|Radhas und Krishnas]] als das höchste göttliche Paar.\\
Die Vallabha-Schule ist heute eine starke [[rudra-sampradaya|Sampradaya]], die vor allem in Nordindien Millionen von Anhängern haben soll.

==== Dvaita-Vedanta ====
Dvaita-Vedanta (Dvaita Vedānta; von //dvaita// = Zweiheit, Dualität) bedeutet: **Vedanta der Zweiheit**. Er wurde vom berühmten Vaishnava-Lehrer Madhva (1199 –1278) neu begründet.
Danach ist der [[atman|Atman]] nicht undifferenziertes Brahman, sondern ein ewig vom Brahman getrenntes Teilchen, das zwar von Brahman-Natur ist, aber nicht so wie im Advaita-Vedanta gelehrt, mit dem eigenschaftslosen Brahman identisch ist.((Siehe auch [[tata-stha-shakti|Tata-stha-Shakti]].)) \\
Statt dessen seien alle Menschen individuell verkörperte Seelen (//jivas//). Auch untergrabe die Gleichsetzung von Gottseele einerseits und den Seelen der Individuen andererseits die absolute Autorität Gottes, der allein das Höchste Brahman sei, und von dessen Gnade allein es abhänge.((Die Seele gehört qualitativ zur Kategorie Brahman, sie ist aber nicht [[parabrahman|Parabrahman]] und kann auch nie zu Parabrahman (Gott) werden.)) Gottesdienst (//puja//) und die glaubensvolle Unterwerfung unter ein höheres Wesen ([[bhakti-yoga|Bhakti-Yoga]]) seien sinnlos, wenn dieses höhere Wesen identisch mit der verkörperten individuellen [[atman|Seele]] ist.